Exkursion zur Gedenkstätte Breitenau
Nie wieder ist jetzt...
Zeitgeschichte erleben – eine Vollzeitklasse angehender Erzieherinnen und Erzieher begibt sich auf Exkursion zur Gedenkstätte Breitenau. In der Zeit des Nationalsozialismus dient das ehemalige Benediktinerkloster als frühes Konzentrationslager, später als Außenstelle der Gestapo. Die Studierenden erkunden die Gedenkstätte und recherchieren im Archiv die Akten ehemaliger Gefangener. Da Breitenau ein NS-Lager für Gefangene aus der Gegend war, kamen die Verfolgten aus der eigenen Heimatregion. Die Arbeit mit lokal- und regionalgeschichtlichen Bezügen macht die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus unmittelbarer.


Recherchearbeit an Akten aus der Zeit des Nationalsozialismus
Der Verdacht, Kartoffeln gestohlen zu haben, konnte Haftgrund sein

In Kooperation mit dem Landeswohlfahrtsverband Kassel erhält die Schulklasse außerdem Einblicke in das ehemalige Mädchenheim Fuldatal, das von 1952 bis 1973 im Kloster Breitenau ansässig war. Eine Führung durch den alten Wohnkomplex verdeutlicht die damaligen Missstände innerhalb der Heimerziehung.


Bei Verstößen gegen die Heimordnung wurden die jungen Frauen allein in sogenannte Besinnungsräume eingesperrt. Besonders bewegend: an den Wänden der Räume befinden sich unzählige Einritzungen. Es handelt sich um Daten, Namen und Wünsche, die Frauen während ihrer Zeit der Isolation einritzten.


Besinnungsraum mit Einritzungen in der Wand
Für die Klasse offenbart sich während der Exkursion die hohe Kontinuitätslinie von Gewalt und Ausgrenzung in Breitenau. Im tagdarauffolgenden Unterrichtsgespräch erzählen die Studierenden von ihren Eindrücken. Eine Studierende sagt dazu: „Die kalte Temperatur an diesem Tag passte zur Atmosphäre des Ortes“.
Die Gedenkstätte verbindet Geschichte mit Gegenwart und schafft für die Klasse ein einprägsames Erlebnis, das über den Unterricht hinausgeht. Durch das gemeinsame Erinnern an Menschheitsverbrechen können Ideen wie Demokratie und Inklusion gefördert werden.
Stephan Mummert
